Das Weihnachtsfenster

 

Wie im Traum bummle ich durch den Weihnachtsmarkt. Es glänzt und glitzert wo mein Auge hinsieht. Der Bahnhof Zürich hat sich in eine Märchenwelt verwandelt. Die freundlichen Stimmen der Marktleute erinnern mich an ein gurgelndes und plätscherndes Bächlein, das sich durch den Bahnhof schlängelt. Das Farbenspiel der hell beleuchteten Marktstände berührt mein Künstlerherz ganz besonders.
Obwohl ich mich kaum sattsehen kann, schlendere ich später etwas nachdenklich dem Perron zu. Mit Interesse die bunte Reiseschar betrachtend, warte ich auf den Zug, der mich nach Bern zurückbringt. Plötzlich beobachte ich inmitten der wartenden Menschen eine wunderschöne Szene. Sie erinnert mich an das Geschehen im Stall von Bethlehem. Ich sehe Maria und Joseph mit dem Jesuskind in einem einfachen Stall, der so gar nichts mit dem heutigen Weihnachtsglanz zu tun hat. Es öffnet sich mir ein wahres Weihnachtsfenster mit einem ganz anderen Weihnachtsbild. Nicht mit dem üblichen Weihnachtsglanz und Kitsch. Ein Weihnachtsfenster edel und echt, mit einem sanften Glanz. Mit dem echten Weihnachtsglanz.
Auf dem Perron inmitten der Menschen steht ein Rollstuhl. Darin sitzt Jan. Sein Kopf ist gestützt. Rebeca steht daneben und die Beiden unterhalten sich. Plötzlich setzt sich Rebeca in geübter Pose auf den Rollstuhl, sie will Jan ganz nahe sein. Eine Szene von einer Lieblichkeit, wie ich sie bis dahin nie gesehen habe. Nicht provozierend, nicht abstossend, einfach schön! Zwei schöne Gesichter, die sich für einen Moment nahe sein möchten. Zwei Menschen die füreinander da sind. Ein eindrückliches Weihnachtsfenster. Ich werde es nicht vergessen. Mein Herz ist froh und glücklich über einen Edelstein mehr, der mein Leben reich macht. Nicht durch den Reichtum dieser Welt. Durch die schönen Augenblicke und Eindrücke, durch Begegnungen. Schöne Erinnerungen liegen in meiner Lebensschatztruhe. Als einziger Reichtum mit Ewigkeitswert verlieren sie weder an Wert, noch können sie gestohlen werden.
Jan und Rebeca danke ich für das eindrückliche Weihnachtsfenster. Möge Gott sie segnen und beschützen.
Engel werden meinen Weihnachtswunsch zum Himmel tragen und Gott wird ihn erfüllen.
Mit dieser wahren Geschichte möchte ich allen Menschen, die eine Partnerin oder einen Partner auf dem Rollstuhl haben ein kleines Weihnachtsgeschenk machen.

Eure Marianne Gertsch

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